To get some further information about F25 and Volker Busse, the owner of F25, please read the interview of Julia Stinnes with Volker Busse. Sorry, it's only in German and it's made a fairly long time ago (July 2007).
J.St.: Volker, vor kurzem hast Du das Label f25 gegründet. Als Grafik-Designer hast Du ja sowieso eine Menge mit Schriften zu tun. Was bezweckst Du jetzt mit f25? Hast Du jetzt eine Type-Foundry gegründet, oder ist das eher ein Internet-Portal mit Infos rund um Schrift?
V.B.: Im kleinen tifft Type Foundry sicher zu. Ich biete hier Schriften an, die ich digitalisiert habe und zum Teil auch selbst gestaltet habe. Daneben gibt’s vielleicht auch noch ein paar Infos zu Schriften allgemein.
J.St.: An Schriften habe ich einiges von Dir bei dafont.com gesehen…
V.B.: Hast gegoogelt, oder wie? Die Internet-Uploads haben sicher auch mit der Gründung von f25 zu tun. Ich hatte die "Cella" in einem Gratis-Fontportal hochgeladen, eine monospaced Typewriter-Schrift, die ich von meiner alten DDR-Schreibmaschine namens Cella - von Robotron - digitalisiert habe. Das war eher so eine Langeweile-Aktion; ich hätte nie gedacht, dass es tatsächlich in der Welt noch Interesse an einer Monospaced mit unperfekter Typewriter-Optik gibt. Nachdem ich dann unter anderem Emails aus Amerika, den Philippinen usw. bekam, mit Anfragen von Leuten, die die Cella in ihren Projekten verwenden wollten, hab’ ich mich entschlossen, alles, was ich bisher an Schriften gemacht habe, so nach und nach zu veröffentlichen, ...und f25 ist jetzt das Ergebnis davon. Und ich bin natürlich "typo-addicted"...
J.St.: Du machst ja ziemlich viele Sachen. Dir gehört die begem-Agentur im Grafikkontor Mitte und Du hast noch ’ne Lehrtätigkeit. Brauchst Du da noch ein eigenes Schriftenlabel?
V.B.: Das hab’ ich auch überlegt, hatte dann aber den Eindruck, dass es irgendwie nicht passt, diese Schriften über die Internetseite von begem oder über meine eigene Website zu vertreiben. Dort bieten wir Dienstleistungen rund um Schrift professionell an, da passen Gratis-Downloads von Schriften und Grunge-Fonts nicht rein, die - ich sage mal für den Display-Bereich sehr gut geeignet sind - und natürlich vom Hinting nicht die Qualität guter Werksatzschriften haben. Dafür gibt es hier bei f25 schöne unverbrauchte Typen, schön für Flyer, Headlines, Auszeichnungen usw.
J.St.: Wie bist du auf den Namen f25 gekommen?
V.B.: ...ganz simple: Das grafikkontot mitte ist in der Fehrbelliner Straße 25. Wir kürzen das schon lange mit f25 ab.
J.St.: Und was wird f25 jetzt, wie Du gerade sagtest "so nach und nach" präsentieren?
V.B.: Das wär’ ja langweilig, wenn ich das jetzt alles verraten würde. Aber in Kürze: sicher gibt’s noch einige Typewriter-Fonts, dann aber auch einige Schriften, die ich immer mit Replacement-Fonts bezeichne, Klassiker die einige visuell unverbrauchte Alternativ-Glyphen haben, und die es so noch nicht – zumindest nicht so ohne weiteres – digital gibt. Sicher kommen auch noch einige Handschriften, auch "hand drawn" Fonts. Vielleicht auch noch Schriften in Richtung Kalligraphie. Alles visuell unverbrauchte und in der digitalen Welt noch nicht aufgetauchte Typen. Und ich glaube, genau darin liegt der Reiz des Angebotes von f25...
J.St.: Typewriter-Fonts, ein besonderes Faible von Dir?
V.B.: Irgend wie schon, genauso wie alles, was handgemacht und etwas unperfekt aussieht…
J.St.: ...grunge...
V.B.: ...ja sicher, aber z.B. auch ungelenk mit Rapidograph und Schriftschablone geschrieben oder gezeichnete Plakatschrift. Mag sein, dass ich da einiges aus der Vor-Arial-Zeit ins digitale Zeitalter rüberretten möchte.
J.St.: ...Vor-Arial-Zeit?
V.B.: Ja, Arial ist Globalisierung, Arial ist überall, Arial ist superglatt, auch in 8 Punkt auf dem 80-Euro-Laserdrucker, Arial kann jeder..., Arial ist langweilig. Also nichts gegen diesen zweifellos recht gut geratenen Helvetica-Klon, der bei unseren Sehgewohnheiten sicher gut lesbar und neben der Times im Bürobereich hervorragend ist. Aber für Display…, Headline, Flyer, Plakat, Wortmarke ...langweilig, steril, unpersönlich-charakterlos. Dass eben genau diese Arial-Zeit das Riesen-Angebot an unsauberen, unperfekten Typen bedingt hat, kannst du am Erfolg der Trixie von Erik van Bloekland sehen: die wurde genau zu dem Zeitpunkt erfolgreich, als die Arial auch den letzten Winkel der Welt erreicht hatte. Und dass solche kaputten Typen immer noch gern gesehen sind, seh' ich daran, dass meine "Telegraphem" bei dafont.com ganz gut runtergeladen wird und ich gutes Feedback kriege.
J.St.: Apropos dafont.com, viele Schrift-Designer sehen das Portal ja mit gemischten Gefühlen…
V.B.: ...weil es da Schriften gratis gibt, und den Leuten suggeriert wird, das Schriften ja eigentlich nichts kosten dürfen, und dann irgendwann keiner mehr einsieht, warum er für Schriften bezahlen soll. Da ist sicher was wahres dran, aber wenn Du genau hinschaust: selten gibt es dort mehr als zwei Schriftschnitte, oft noch nicht einmal Umlaute. Viele dieser Schriften sind sicher für den Display-Bereich geeignet, manche in Nischenbereichen auch für Werksatz. Gut ausgebaute Schriftfamilien findest Du dort nicht, ganz einfach schon, weil – mal unabhängig vom Knowhow – kaum einer die Zeit und den finanziellen Background hat, eine komplette Schriftfamilie zu entwerfen, digital umzusetzen und diese dann gratis anzubieten. Bei einem einzelnen Schriftschnitt ist das aber vom Aufwand her überschaubar. Wenn der dann – vor allem im Hinblick auf Zurichtung, Hinting, Kerning, Sonderzeichen – nicht bis in das allerletzte Detail ausgearbeitet ist, finde ich es ok, wenn man die Schrift gratis anbietet.
J.St.: ...und deshalb bietest Du Deine Schriften gratis an?
V.B.: Mehr oder weniger ja, aber nur zur privaten Nutzung und für die Entwürfe von kommerziellen Projekten. Wer damit Geld verdient, dass er F25 Schriften in kommerziellen Projekten einsetzt, soll sich etwas finanziell beteiligen. Dass von 40 oder 60$ bei mir nicht viel hängen bleibt, weißt Du selbst. Vielleicht richte ich auch mal einen kleinen Online-Shop ein, in dem ich Fonts zum Kauf anbiete, oder ich verkaufe über my-fonts.com. Kann auch sein, dass es abgespeckte Versionen, z.B. ohne Umlaute komplett gratis gibt und die komplette Version dann zum Kauf.
J.St.: Wird es bei Dir auch komplette Schriftfamilien geben?
V.B.: Möglicherweise Schriften mit mehreren Schriftschnitten, ganze Schriftfamilien wohl kaum. Das kollidiert zeitlich mit meinen anderen Aktivitäten. Aber wenn Du einen Sponsor mitbringst, der mir ein Jahr finanziert, in dem ich eine komplette Schriftfamilie entwerfe, stürze ich mich sofort drauf, und fange morgen an. Ideen gibt's da genug. Leider bin ich ja inzwischen aus dem Alter raus, wo man so etwas als Diplomarbeit machen kann.
J.St.: Kann ich zu f25 kommen, wenn ich meine Handschrift als Computerfont haben möchte, mein Logo und meine Unterschrift in eine Schriftdatei eingebaut haben möchte?
V.B.: Wir lösen dass gerne für Dich, und das auch noch ziemlich preiswert. Und wenn Du für eine ganz individuelle Druckschrift für Dein CD haben möchtest – also das, was man bei Firmen als Hausschrift bezeichnet – machen wir das auch für Dich.
J.St.: Wie sind denn Deine Vorlieben, wenn es nicht um Deine Schriften geht? Fontshop hat ja letztens die 100 besten Schriften wählen lassen. Welches ist Deine liebste?
V.B.: Meine liebste ist meine Frau. Und an Schriften habe ich viele lieb, alle 100 der 100 besten und dazu noch ein paar mehr.
J.St.: …also kein Favorit?
V.B.: Das fände ich als Grafik-Designer auch unangemessen, da jeder Auftrag ja individuell ist und die Schriftwahl im Grafik-Design nicht von persönlichen Vorlieben abhängen sollte.
J.St.: Volker, Du hast auch noch eine Lehrtätigkeit. Lehrst Du auch Typeface-Design?
V.B.: Leider nein. Ich unterrichte angehende Mediengestalter, die zwar ganz gut mit Schriften umgehen können müssen – auch weil sie teilweise die Nachfolger der Schriftsetzer sind –, für die Typeface-Design sehr weit weg ist. Die entwerfen in der Praxis eher konkrete Druckvorlagen, machen Reinzeichnungen, Internetdesign usw. Da ist Schriftdesign ziemlich weit weg.
J.St.: Na dann vielen Dank, dass Du meine Fragen beantwortet hast, und ich bin mal gespannt, was bei f25 demnächst so kommt.
V.B.: Ich danke Dir auch für das nette Gespräch, und surf ruhig öfter mal f25.cc an. Ich versuche die Internetseiten so alle ein bis zwei Monate zu ergänzen.
Das Interview fand am 17. Juli 2007 statt.